Wir beschäftigen uns heute wahrscheinlich so intensiv mit uns selbst wie kaum eine Generation vor uns. Wir kennen Begriffe wie Trigger, Glaubenssätze, Bindungsmuster, inneres Kind, Resilienz, Nervensystemregulation und Selbstwirksamkeit. Wir reflektieren unsere Beziehungen, unsere Vergangenheit, unsere Kommunikation und unsere Entscheidungen.

Das ist zunächst einmal etwas sehr Wertvolles. Denn je mehr wir über uns verstehen, desto größer können unsere Freiheit und unser Bewusstsein dafür werden, nicht einfach automatisch aus alten Erfahrungen und Mustern heraus zu handeln.

Gleichzeitig beobachte ich eine Entwicklung, die mich schon auch nachdenklich macht: Aus Selbsterkenntnis wird schnell Selbstoptimierung. Plötzlich reicht es nicht mehr, sich selbst zu verstehen. Wir sollen uns ständig verbessern. Gelassener werden. Erfolgreicher. Konsequenter. Kommunikativer. Resilienter. Selbstsicherer. Produktiver. Emotional ausgeglichener. Allein beim Schreiben liest es sich schon anstrengend und wie ein zu großer zu bewältigender Berg.

Und irgendwo wartet immer noch die nächste Baustelle. Aber: Was, wenn es gar nicht immer eine Baustelle gibt?

Natürlich gibt es Verhaltensweisen und Muster, die uns das Leben schwer machen können. Es ist sinnvoll und befreiend, sich damit auseinanderzusetzen. Gerade wenn Ängste, alte Verletzungen oder tief verankerte Überzeugungen unsere Entscheidungen bestimmen, macht Veränderung einen enormen Unterschied. Und das ist auch der Kern meiner Arbeit seit vielen Jahren.

Aber nicht alles, was nicht perfekt ist, muss verändert werden. Vielleicht darf persönliche Entwicklung auch bedeuten, sich selbst besser kennenzulernen und anschließend zu sagen: Jetzt verstehe ich mich ein bisschen besser.

Du erkennst:

Warum bestimmte Situationen dich schneller überfordern.
Warum dir manche Dinge besonders wichtig sind.
Warum du bestimmte Menschen brauche und andere weniger gut ertrage.
Warum du manches wunderbar kannst und anderes vielleicht nie zu deinen größten Talenten gehören wird.

Und vielleicht entsteht genau daraus etwas, das wir bei aller Selbstoptimierung manchmal vergessen: Frieden mit uns selbst.

Der Begriff Selbst-bewusst-sein bedeutet: Sich seiner selbst bewusst zu sein.

Ich mag diesen Begriff sehr, wenn wir ihn einmal ganz wörtlich nehmen, : Sich seiner selbst bewusst sein.

Nicht nur der vermeintlichen Defizite und Schwächen. Sondern auch der eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse, Werte, Grenzen, Erfahrungen und Eigenheiten. Zu wissen: Das kann ich gut. Das fällt mir schwer. Hier brauche ich Unterstützung. Hier bin ich stark. Das ist mir wichtig. Das möchte ich nicht mehr. Und davon möchte ich mehr in meinem Leben.

Dieses Selbstbewusstsein hat für mich wenig mit Perfektion zu tun. Es bedeutet vielmehr, sich selbst realistischer und gleichzeitig freundlicher und geduldiger zu sehen.

Die Stärken stärken – und nicht die Schwächen zur Hauptsache machen

Die meisten von uns haben die erstaunliche Fähigkeit, sehr viel Aufmerksamkeit auf das zu richten, was noch nicht funktioniert. Dabei wäre es viel sinnvoller, stärker zu fragen:

Was kann ich eigentlich richtig gut?

Was trägt mich?

Was habe ich in meinem Leben bereits bewältigt?

Welche Eigenschaften haben mir immer wieder geholfen?

Wo bin ich längst viel weiter, als ich mir selbst zugestehe?

Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu ignorieren oder Veränderung abzulehnen. Es bedeutet nur, ihnen nicht automatisch die größte Bedeutung zu geben. Eine Schwäche darf eine Schwäche sein, ohne dass daraus ein persönliches Entwicklungsprojekt für die nächsten drei Jahre werden muss.

 

Selbstannahme ist kein Stillstand

Manchmal wird Selbstannahme missverstanden. Als würde man sagen: „Ich bin eben so“ – und damit jede Veränderung verweigern. Für mich bedeutet Selbstannahme etwas anderes.

Ich kann mich annehmen und mich trotzdem entwickeln.

Ich kann freundlich mit mir umgehen und trotzdem Verantwortung übernehmen.

Ich kann meine Grenzen akzeptieren und trotzdem mutig neue Erfahrungen machen.

Vielleicht gelingt Veränderung sogar leichter, wenn sie nicht aus der permanenten Botschaft entsteht: Mit mir stimmt etwas nicht. Sondern aus einer ganz anderen Haltung: Ich bin grundsätzlich mit mir im Reinen – und gleichzeitig neugierig darauf, was noch möglich ist.

 

Und vor allem: Wir müssen und können nicht alles alleine lösen

Zur Selbstverantwortung gehört für mich noch etwas anderes: Zu erkennen, wann ich alleine weiterkomme und wann Unterstützung sinnvoll ists.

Denn wir können so viel reflektieren, lesen, verstehen und analysieren. Trotzdem gibt es Muster, die uns selbst kaum auffallen, gerade weil sie uns seit vielen Jahren begleiten. Wir erleben Situationen immer aus unserer eigenen Perspektive. Wir kennen unsere gewohnten Erklärungen. Wir wiederholen bestimmte Gedanken. Und manchmal drehen wir uns genau deshalb im Kreis. Und dann merken wir auch, dass wir allein nicht weiterkommen, in diesem Kreis feststecken.

Eine professionelle Begleitung kann hier einen anderen Raum öffnen.

Im Coaching können Zusammenhänge sichtbar werden, Gedanken sortiert und neue Perspektiven entwickelt werden. Es geht nicht darum, einem Menschen zu sagen, wie er sein oder leben soll. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, Muster zu erkennen, Ressourcen sichtbar zu machen und einen eigenen stimmigen Weg zu entwickeln.

Hypnose unterstützt zusätzlich dort, wo wir mit dem bewussten Denken allein nicht weiterkommen. Denn vieles weiß unser Verstand längst:

Wir wissen, dass wir uns nicht ständig beweisen müssen.
Wir wissen, dass eine alte Erfahrung vorbei ist.
Wir wissen, dass wir heute andere Möglichkeiten haben.
Wir wissen, dass ein bestimmter Glaubenssatz eigentlich nicht stimmt.

Und trotzdem fühlt es sich innerlich noch anders an. Hier spielen unbewusste Prägungen, emotionale Erfahrungen und tief verankerte Reaktionsmuster eine Rolle. Hypnose ermöglicht einen Zugang zu diesen Ebenen und unterstützt dabei, neue innere Erfahrungen entstehen zu lassen.

Nicht mit dem Ziel, einen Menschen zu reparieren. Sondern vielmehr mit der Frage: Was darf sich verändern oder lösen, damit du freier mit dir selbst leben kannst?

 

Unterstützung anzunehmen ist auch ein Teil von Selbstführung

Wir sprechen häufig darüber, selbstbestimmt zu sein, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und Entscheidungen bewusst zu treffen. Für mich gehört dazu auch, Unterstützung annehmen zu können.

Es braucht jemanden, der einen anderen Blickwinkel einbringt. Einen geschützten Raum, in dem auch schwierige Gedanken ausgesprochen werden dürfen. Eine Methode, die über das reine Nachdenken hinausgeht. Einfach jemanden, der ein Stück des Weges professionell begleitet.

Das hat wenig mit Schwäche zu tun, sondern viel mehr mit einer guten Einschätzung der eigenen Möglichkeiten.

Und ja; vielleicht verändert das im besten Fall auch unseren Umgang miteinander. Je mehr Frieden wir mit uns selbst schließen, desto weniger müssen wir möglicherweise andere Menschen verändern. Wer sich selbst Fehler zugestehen kann, kann häufig großzügiger mit Fehlern anderer umgehen. Wer die eigenen Widersprüche kennt, kann leichter akzeptieren, dass auch andere Menschen widersprüchlich sind. Und wer aufgehört hat, sich permanent selbst zu bewerten, braucht vielleicht auch weniger schnell ein Urteil über andere.

Das heißt nicht, alles gutzuheißen oder auf Grenzen zu verzichten. Es bedeutet vielmehr, Menschen etwas häufiger sein lassen zu können, wie sie sind.

Vielleicht lautet die wichtigste Frage nicht: Wie kann ich mich verbessern?

Vielleicht lautet sie: Wie kann ich mich besser verstehen? Oder: Was darf ich an mir endlich aufhören zu bekämpfen?  Was möchte ich wirklich verändern – und möchte ich diesen Weg alleine gehen?

Persönliche Entwicklung ist kein lebenslanges Reparaturprogramm. Sie bedeutet Veränderung und Wachstum. Sie bedeutet, alte Muster zu lösen und neue Entscheidungen zu treffen, die für einen persönlich richtig sind.

Und sie bedeutet auch, festzustellen: Ich kenne mich inzwischen ziemlich gut. Ich bin nicht perfekt. Ich entwickle mich stetig weiter. Aber ich muss nicht mehr ständig gegen mich selbst kämpfen.

Und ich muss auch nicht jeden Entwicklungsschritt alleine gehen. Manchmal ist es genau die richtige Entscheidung, sich Unterstützung zu holen – im Coaching, mit Hypnose oder in einer anderen professionellen Begleitung, die zu einem selbst und zum jeweiligen Thema passt.

Nicht, um jemand anderes zu werden – sondern um sich selbst ein Stück näherzukommen.

 

Du hast Fragen hierzu? Du merkst, dass diese Gedanken mit dir resonieren? Dann melde dich gerne bei mir für ein erstes Gespräch.

Mobil: 0151-42539173 – Mail: willkommen@sonja-huels.com

Sonja Hüls